Aus der Geschichte des LOK-Vereins

Unser Eisenbahner-Sportverein hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Diese geht zurück bis auf die wirtschaftlich schwere Zeit nach dem ersten Weltkrieg. Zeitzeugen wissen zu berichten, dass sportbesessene Eisenbahner und andere Freunde von Körperertüchtigung an der Elbe zwischen dem Carolabad und der Cellulosefabrik Hoesch & Co. eine Sportanlage schufen. Zwar hielt sich die Unterstützung durch staatliche Stellen und die der damaligen Reichsbahn-Gesellschaft in Grenzen, aber das glichen die Organisatoren durch viel Fleiß und Engagement aus. Sehr bald schon konnten Kinder und junge Leute auf dem Sportplatz und im Volksmund „Pionierschuppen“ genannten Gebäude ihren sportlichen Leidenschaften nachgehen. Bekannt sind aus dieser Zeit die Namen des „Turnvaters“ Hille (seine beiden Söhne waren später als erfolgreiche Handballer bekannt), von Walter Stohn (einem Eisenbahner im Lokfahrdienst) und von Arno Uhlemann, der kriegsversehrt aus dem Weltkrieg zurückgekehrt, sich mit großer Hingabe um die Heranbildung und Betreuung junger Fußballspieler bemühte. Im Kinderturnen war als Übungsleiter Kurt Franke ein Begriff. Leistungsmäßig blieb die Gemeinschaft natürlich etwas im Schatten der größeren und zentraler angesiedelten Sportvereine zurück. Aber in Breite und vor allem Gemeinschaftssinn hielt sie mit den anderen mit.

1935 führte Deutschland die Allgemeine Wehrpflicht ein. Mit dem Aufbau der Wehrmacht wurde Pirna Garnisonsstadt des Pionierbatallion 13. Das bedeutet das Aus für die Sportanlage der Eisenbahner, denn rund um den Pionierschuppen entstand das Übungsgelände der Pioniertruppen. Als Entschädigung erhielt die Reichsbahn und deren Sportler das Terrain des Sportplatzes an der jetzigen Einsteinstraße zugewiesen, welches bis dahin vom handballspielenden „TV Jahn“ genutzt wurde. In kurzer Bauzeit und unter Erweiterung durch die angrenzenden Kleingärten entstand die heutige Sportanlage. So gewann der von „Gemeinschaftsführer“ Walter Schleehahn umsichtig geleitete Verein „VfL Reichsbahn“ mehr und mehr an Bedeutung. Auch weil nun Sportarten ausgeübt werden konnten, wozu vorher die Möglichkeiten fehlten. Leider konnte sich die sportbegeisterte Pirnaer Jugend nur wenige Jahre dieses Kleinods erfreuen, denn der Ausbruch des zweiten Weltkrieges reduzierte das zivile Sportprogramm nach und nach. Einen herben Schlag erlitt es in den letzten Kriegsmonaten, als die Reichsbahn-Direktion ihre Lochkartenstelle in die Sportstätte umlagerte. Zu allem Überfluss ließen fanatische Durchhaltepolitiker und -militärs kurz vor Kriegsende quer durch den bis dahin schönen Rasenplatz von der Turnhalle bis zum Schlängelbachweg einen mehrere Meter tiefen und breiten Panzergraben ausschachten. Das bedeutete das Ende sportlicher Betätigung und nach dem 8. Mai 1945 schier hoffnungslose Aussichten auf einen sportlichen Neubeginn.

Nach Beendigung des 2. Weltkrieges musste das anfangs territorial organisierte Sportleben auf den altehrwürdigen Sportplatz am Postweg (heute Wohnsiedlung Postweg/Aufbauring) und auf dem Sportplatz an der Rottwerndorfer Straße (nunmehr LSV) ausweichen. Trotz Hunger und großer Not und dem Mangel geeigneter Sportstätten wuchs das Interesse an sportlicher Betätigung relativ schnell.

Bereits im Sommer 1945 schippten in der Mehrzahl freiwillige Helfer den Panzergraben wieder zu und es entstand eine einigermaßen ebene Spielfläche. Auch die Laufbahnen und Sprunggruben wurden instandgesetzt. Doch bis zur Rückverlagerung der Lochkartenstelle nach Dresden und damit der Freigabe der Turnhalle, der Kegelbahn und aller übrigen Räumlichkeiten, brauchte es noch einige Jahre.

Als dann die Sportler über die gesamte Sportanlage verfügen konnten, führte das zu einem enormen Mitgliederzuwachs. Neue Sektionen entstanden, bereits bestehende vergrößerten sich. Mit Schaffung der Sportvereinigung „Lokomotive“ kam es zur Gründung der „BSG Lokomotive Pirna“. Sehr bald überschritt die Mitgliederzahl die 1000er-Grenze. Das Leistungsniveau wurde weithin bekannt und geachtet. Ein Streifzug durch einzelne Sektionen belegt dies deutlich: Im Asphaltkegeln errang Eberhard Luther in Essen den 1. Weltmeistertitel für die DDR. Seine Rückkehr nach Pirna wurde zu einem Triumphzug durch die Stadt, mit anschließendem Empfang im Rathaus. Dieser Erfolg verlieh dem Kegelsport - besonders unter den Eisenbahnern - neue Impulse.

Auch die Leichtathleten warteten mit stolzen Erfolgen auf. Hervorzuheben die Sprinterinnen mit der Studentenweltmeisterin Elfriede Stäps-Preibisch und der nach Berlin delegierten Gudrun Züchner an der Spitze.

Sachsenmeister im Großfeldhandball wurden die Männer um die Brüder Hille, Herbert Klimmer, „Luchs“ Klemmer und Heinz Rehn, um nur einige zu nennen. Letzterer erwarb sich große Verdienste um die Entwicklung des Handball-Nachwuchses, um den Bau von Wanderhütten im Raum Altenberg und bei der Ausgestaltung des traditionellen Handballer-Faschings. Eine hohe Zuschauerresonanz hatten die Spiele um die Ostzonenmeisterschaften  (gegen die Handball-Hochburg Magdeburg kamen über 8.000 Zuschauer).

Im Bootshaus auf der Copitzer Seite hatten die Kanuten ihr Domizil. Unter Walter Tränkner herrschte reges Treiben im Wasserwandern. Für mehrere Ostzonen- und DDR-Meistertitel sorgte Herbert Gocht im Kajak.

Oftmalige Meistertitel, viele Wettkämpfe im Ausland und Auftritte bei öffentlichen Veranstaltungen verbuchten die von Altmeister Kurt Schiffner herausgebrachten Akrobaten.

Die Vorbildwirkung des ehemaligen DSC`ers Hans Köckritz als Spielertrainer brachten auch im Fußball sehenswerte Erfolge mit dem Aufstieg von der Kreisklasse bis zur Bezirksliga, wo 1953 über 5500 begeisterte Zuschauer den 5:1 Sieg über Empor Dresden-Löbtau feierten.

Diese Aufzählung soll keineswegs die Leistungen der übrigen Sektionen schmälern. Auch bei diesen (z.B. Tischtennis, Turnen, Rhönrad) wurde fleißig trainiert und Beachtliches erreicht. Ende der 50er Jahre waren die Kapazitäten der Sportanlage nahezu erschöpft und die Finanzierung der zahlreichen Sektionen bereitete Probleme. Die Zuschüsse und die Einnahmen reichten nicht aus. Mit Neubildung zahlreicher BSG`en in und um Pirna suchten viele LOK-Sportler und Sektionen eine neue Motivation und somit eine neue sportliche Heimat. Dies führte zu einer deutlichen Zersplittung und Schwächung im Leistungsbereich. Durch gute Arbeit mit dem Nachwuchs blieb die BSG Lokomotive Pirna trotzdem eine beachtenswerte Größe im Breiten- und Leistungssport.

Nach der Wende in 1989 bangten die Sportler einige Zeit um den Fortbestand ihrer Sportgemeinschaft. Nur wenige BSG Lok-Sportgemeinschaften wurden von den zuständigen Reichsbahnstellen als förderwürdig befunden. Letztlich gehört auch der nunmehrige „Eisenbahnersportverein Lokomotive Pirna“ dazu. Auf der Einsteinstraße kann somit weiter reger Sportbetrieb herrschen. Der Ex-Handballtorwart Eberhard Berger (Max), 1994 zum Vorsitzenden gewählt, scharte um sich einsatzfreudige Helfer. Wenn auch die Bedingungen der neuen Gesellschaft nicht immer einfach für den Verein gewesen sind, so konnten jedoch eine Menge von Modernisierungsarbeiten realisiert werden (z.B. Kegelbahn, Turnhalle, Heizungsanlage, Fenster- und Türenerneuerung). In der langen Geschichte des Eisenbahnersports in Pirna haben sich außer den bereits genannten Sportfreunden zahllose Freunde des Sports große Verdienste erworben. Stellvertretend für sie alle sollen noch genannt werden: Alfred Marschall, Kurt Hille und Heinz Hallmann als langjährige BSG-Leiter, der ehemalige Bahnhofsvorsteher Günther Liebmann, Frank Oertel, Gerhard Krätzschmar sowie die legendäre Martha Hantsch.


Aus der Pirnaer Sporthistorie ist angesichts dieser Geschichte „LOK PIRNA“ jedenfalls nicht wegzudenken.

Bisherige Vereinsvorsitzdende

von

bis

Vorname

Name

Bild

1948

1949

Wilhelm

Gulich

1949

1951

Johannes

Schurig

1951

1956

Alfred

Marschall

1956

1964

Kurt

Hille

1964

1966

Werner

Nickisch

1966

1968

Lothar

Mechelke

1968

1974

Kurt

Hille

1974

1984

Heinz

Hallmann

1984

1985

Kurt

Majunke

1985

1987

Wilhelm

Beyer

1987

1989

Frank

Oertel

1989

1992

Matthias

Höhn

1992

1994

Gottfried

Krenz

1994

2000

Eberhard

Berger

2000

dato

Klaus

Lehmann